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Geleitwort zum Buch „Perspektiven der Freiheit“: Hayek und die Österreichische Schule der Nationalökonomie – aus Prager Perspektive

Deutsche Seiten, 31. 3. 2021

Es ist  mir eine Freude und Ehre ein paar Worte zu dieser – in  den heutigen Zeiten des Denkchaos und der Zeit unentschuldbaren Vergessens – sehr wichtigen Sammelschrift beitragen zu dürfen.                   

Friedrich von Hayek war für mich – zusammen mit Ludwig von Mises und anderen Repräsentanten verschiedener Generationen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die mein Denken (und meine Lebensorientierung) beeinflusst haben. 

Ich habe ihn leider nur einmal kurz und passiv gesehen. Die Umstände dessen waren fast unglaublich. Als junger Akademiker nahm ich im August 1968 zum ersten Mal an den Alpbacher Hochschulwochen (heute Europäisches Forum Alpbach) teil. Dort habe ich die Zeit der Okkupation meiner Heimat, der Tschechoslowakei, durch die Truppen des Warschauer Paktes ungewollt verbracht – ich hatte das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Am nächsten Tag hat mein Idol, Friedrich Hayek, in Alpbach eine Vorlesung gehalten. Ich musste dorthin gehen, doch in meinen Gedanken war ich in Prag. Die Vorlesung konnte ich deshalb fast nicht  mitverfolgen.

Schon damals war Hayek für mich ein Symbol der Freiheit und des freien Denkens. Nicht nur für mich, sondern auch für meine damaligen Freunde und Kollegen in der kommunistischen Tschechoslowakei. In diesem politischen Umfeld war es für uns nicht einfach, Hayeks Schriften zu bekommen, aber sein Werk „Der Weg zur Knechtschaft“ war bei uns in den 1960er-Jahren in vielen inoffiziellen Übersetzungen relativ gut bekannt und verbreitet.  Die tschechischen Volkswirte haben auch andere Hayeks ökonomischen Büchern und Theorien studiert.

Hayek war in der  Geschichte des letzten Jahrhunderts  mehrfach relevant – und relevant ist er auch noch heute:

- seit den 1930er-Jahren hat er den  protektionistischen Kapitalismus (und Keynes) bekämpft;

- in den 1930er-Jahren war er – zusammen mit Mises – die Hauptfigur des Streites mit den Sozialisten über die Unmöglichkeit (oder Undurchführbarkeit) des Sozialismus;

- während des Krieges war sein Werk „Der Weg zur Knechtschaft“ ein Symbol des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus  und den Kommunismus;

- nach dem Zweiten Weltkrieg war er der schärfste Kritiker des relativ erfolgreichen Kapitalismus und des Wohlfahrtstaates in Westeuropa;

- auch nach dem Fall des Kommunismus war er für mich und für uns bei der Vorbereitung unseres Transformationsprojektes sehr wichtig. Wir wollten die Hayek’sche Liberalisierung der ganzen Gesellschaft, aber keinen neuen Dirigismus und Konstruktivismus. Ganz zufällig hatte ich am Vorabend des Falls des Kommunismus bei uns (am 16. November 1989) eine Rede an der Johannes-Kepler-Universität in Linz gehalten. Dort teilten mir die Professoren der ökonomischen Fakultät freundlich  mit, Hayek  befände sich nicht mehr auf der „Reading list“ für die Studenten. In einer vollen Aula der Universität sagte ich daraufhin folgendes: „Wenn Hayek in Österreich tot ist, werden wir ihn in Prag bald wiedererwecken.“. Selbstverständlich konnte ich in diesem Moment nicht wissen, was am nächsten Abend in Prag geschehen würde;

- in der heutigen Ära der massiven Leugnung der Geschichte, Vernunft, Wahrheit (und Kapitalismus)  einhergehend mit dem Siegeszug der Ideologien des Environmentalismus (und des Klimasozialismus), des Neomarxismus, des Human-Rightismus und des Genderismus sowie  mit den Konsequenzen der Irrationalität der Corona-Krise sollten wir Hayek wieder lesen. Dort steht alles drin.

Hayek wird mit uns bleiben. Wir brauchen ihn (und seine Nachfolger, die die Österreichische Schule der Nationalökonomie weiterentwickeln). Wir werden diese Ideen noch lange Zeit brauchen.

Václav Klaus, Geleitwort zum Buch „Perspektiven der Freiheit“, Bernhard Pichler (Hrsg.), Perspektiven der Freiheit, Kopp Verlag, Rottenburg, März 2021

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